René Mächler, Pionier und wichtigster Vertreter der Konkreten Fotografie in der Schweiz, ist tot. Er starb am 10. März 2008 im Alter von 72 Jahren in Rheinfelden an einem Krebsleiden. Anlässlich seines 70. Geburtstages hatte ihm die Fotostiftung Schweiz in Winterthur 2006 eine umfangreiche Retrospektive ausgerichtet, ergänzt durch ein ambitioniert gestaltetes Buch mit dem Titel Am Nullpunkt der Fotografie. Im Zuge dessen übergab René Mächler der Stiftung den Hauptteil seines fotografischen Nachlasses.
Diese letzten Aktivitäten krönen ein Lebenswerk, das abseits des Hauptstroms konventioneller Fotografie entstand – doch gleichwohl Zeichen setzte. Historisch bedeutsam ist die Beteiligung René Mächlers an der weltweit ersten Ausstellung Konkrete Fotografie, er hat den Begriff mit geschaffen. Zusammen mit Roger Humbert, Jean-Frédéric Schnyder und Rolf Schroeter zeigte er im Januar 1967 in der Berner Galerie actuell minimalistische und nur auf ihr eigenes, innerbildliches Gesetz bezogene Lichtkompositionen – ohne Anspruch auf eine außerbildliche Referenz. Damit steht sein Werk in der Tradition der Schweizer Konkreten Kunst eines Max Bill, Richard Paul Lohse und anderen und erweitert sie zugleich durch einen eigenen – fotografischen – Ansatz. René Mächler war Künstler der ersten europäischen Fotogalerie, der Galerie form in Zürich, sowie der ersten deutschen Fotogalerie, der Galerie Clarissa in Hannover, deren Name als Tendenzgalerie konkreter, technischer Bilder, bis hin zur Computergrafik der 1960er Jahre, Bedeutung hat. Bleibendes Verdienst erwarb sich René Mächler nicht zuletzt durch seine Einzelausstellung Fotografie konkret in der Düsseldorfer Galerie Schoeller. Sie veranlasste den Sammler Peter C. Ruppert im Januar 1997 zu seinen ersten Ankäufen auf diesem Gebiet – und zur Etablierung eines neuen Sammelgebietes. Heute hängen die Arbeiten von René Mächler neben anderen bekannten Namen dieser Richtung in der Dauerausstellung Konkrete Kunst in Europa nach 1945 im Museum im Kulturspeicher Würzburg.
René Mächler wurde am 31. Januar 1936 geboren, studierte von 1958 bis 1960 an der Staatlichen Höheren Fachschule für Fotografie in Köln und übernahm danach eine Stelle als Wissenschaftsfotograf an der Universität Basel, die er bis zu seiner Pensionierung 1996 inne hatte. Daneben entwickelte er seine künstlerische Karriere durch zahlreiche Ausstellungen und Publikationen. 1996 berief ihn die Deutsche Fotografische Akademie (DFA) als Korrespondierendes Mitglied. Sein erstes Buch 1965, Paesaggi di Donna, ist eine hinreißend fotografierte Entdeckung der Landschaft des weiblichen Körpers. Zuvor, Ende der 1950er Jahre hatte er Friedhöfe und Schutthalden, Gräber der Zivilisation, fotografiert, die stilistisch an eines seiner großen Vorbilder erinnern, Lucien Clergue, dessen Ausstellung Poesie der Photographie in den Kölner Werkschulen 1959 uns als Studenten tief beeindruckte. Seitdem waren wir Freunde.
- Statement Konkrete Fotografie und Gespräch mit Kurt Laurenz Theinert, Augustinerkloster, 14. – 15.11.2007. - Ausstellung Fotoarbeiten 1967–2007, Peterskirche, 14.11.2007 – 20.01.2008.
Gottfried Jäger: Konkrete Fotografie. Statement
Der Beitrag behandelt in kurzen Zügen die Begriffsgeschichte der Konkreten Fotografie und deren näheres Umfeld bis heute. Inhaltliche Fragen werden angesichts des begrenzten Zeitrahmens nicht vertieft. Sie wurden in jüngster Zeit verschiedentlich vorgetragen und publiziert (s. Literatur und Anmerkungen).
Gottfried Jäger: From Generative to Concrete Photography Introduction (a) The question raised by the Alchemy Project is whether to choose between representation and presentation, between reproducing and producing objects for the purpose of photography. I represent a qualified presentative, in other words: productive photography that stands as an expression of freedom – against an ‘apparatus’ that was invented as a functional means of exact reproduction. Therefore, the terms Generative and Concrete Photography are central to my art, in practice as well as in theory. The terms and their meanings have determined my professional life as a photographer, as well as a theorist and lecturer of photography.
Gottfried Jäger. Fotografie als generatives System
Neuerscheinung Mai 2007
Andreas Beaugrand (Hg.): Gottfried Jäger. Fotografie als generatives System Bilder und Texte 1960–2007
Mit Texten von Andreas Beaugrand, Jörg Boström, Herbert W. Franke, Hans Jörg Glattfelder, Gerhard Glüher, Klaus Honnef, Gottfried Jäger, Enno Kaufhold, Rolf H. Krauss, Marlene Schnelle-Schneyder, Lambert Wiesing.
Verlag für Druckgrafik Hans Gieselmann, Bielefeld, 2007. ISBN 978–3–923830–60–2
296 Seiten, 24 x 17 cm, Festeinband, 39.80 Euro
Gmundner Symposium
16. Gmundner Symposium für aktuelle Kunst: Konkrete Fotografie
22. bis 24. September 2006, Kammerhofgalerie Gmunden
Vom 22. bis 24. September 2006 findet das 16. Gmundner Symposium über aktuelle Kunst statt. Es steht in diesem Jahr unter dem Thema: Konkrete Fotografie. Dazu finden Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen mit internationalen Künstlern, Kunsttheoretikern und Publizisten statt. Künstlerische Leitung: Mag. Josef Linschinger, Gmunden. Beratung: Prof. Gottfried Jäger, Bielefeld.
Thema: Obwohl sich ihre Werke bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts vielfach behaupten, wurde Konkrete Fotografie als eigene Kunstform erst in jüngster Zeit wahrgenommen und beschrieben. Das Gmundner Symposium ist die erste internationale Expertentagung dieses neuen Gebietes.
Der Begriff kennzeichnet eine Fotografie, die bewusst auf die Abbildung äußerer Gegenstände verzichtet und sich selbst zum Gegenstand setzt: ihr Medium, das Licht, ihre einzigartigen Materialien, ihre generativen Prozesse, den Apparat. Es entsteht eine Fotografie der Fotografie, eine Bildgattung eigener Art. Ein Tagungsband soll die Ergebnisse Anfang 2007 zusammenfassen.